Ausflug mit der D-MOFG nach Weimar und Welzow, 14.-17.6.2021

Ein Reisebericht unseres Mitglieds Michael Mattern.

Endlich Flugwetter! Und dazu ein freie Maschine mit genügend Reststunden bis zur nächsten Routinewartung – so bekam ich die Möglichkeit, mir mit unserem EuroStar das zu erfliegen und anzusehen, was ich schon seit sehr langer Zeit auf meinem Wunschzettel hatte: die bizarre Landschaft des Braunkohletagebaus in der Lausitz zwischen Sachsen und Brandenburg.

Weil es heiß werden sollte, versuchte ich früh raus zu kommen. Früh heißt in Bremgarten (EDTG) allerdings leider 9.30 Uhr, was eigentlich spät ist und so plante ich von Beginn an einen Zwischenstopp in EDOU, Weimar-Umpferstedt ein.

Weil ich schon häufig nach Weimar flog, war der Flug vorbei an Stuttgart und Würzburg über den Thüringer Wald schon ein wenig Routine und unspektakulär – wenn der Thüringer Wald „frei“ ist, ist es schön und bis dort hin wenig anspruchsvoll – wie jedes mal bisher, ging aber ab dem Sinkflug ins Thüringer Becken das „Gebocke“ los.

Der Anflug mit der D-MOFG von Süden – mit Blick auf das Residenzstädtchen Weimar im Westen – muss auf dem kleinen Betonstreifen, der in Umpferstedt in die Grasbahn eingearbeitet ist, bei heftigen Böen sitzen. Dafür ist man dann nach der Landung am Platz aber auch wirklich immer herzlich willkommen und wird mit einer herrlichem Ausblick belohnt.

Flieger abstellen, verzurren, abdecken und sichern, dann kutschierte mich der engagierte und sehr nette Platz- und Flugschulbetreiber Sören gegen eine faire Gebühr (Taxi in die Innenstadt ist teuer!) erst mal zu Thüringer Klößen, Roulade und Rotkohl in die zehn Minuten entfernten Altstadt. Nirgends in Deutschland war die geistige Dichte und kulturelle Kreativität so groß, wie hier im 18. und 19. Jahrhundert – eine Aufzählung der Besonderheiten der Stadt, die weit über Goethe, Schiller und Bauhaus hinaus geht, ist hier nicht möglich – fliegt hin, seht es euch an! Ich mache das seit Jahren möglichst einmal im Jahr und bin immer noch begeistert.

Am nächsten morgen konnte ich dank Sören wirklich früh losfliegen, um mir endlich ein Bild vom Tagebau aus der Luft zu machen – und das lohnt sich. Also ging es zwischen den Kontrollzonen Leipzig und Dresden mit Kurs Nordost in Richtung Welzow am Sedlitzer See.

Schon auf dem Weg dahin sieht man die Landschaft komplett gesprenkelt durchzogen mit Seen und kleineren Tagebaugebieten. Die Seen sind ehemalige Tagebaue, geflutet, renaturiert und äußerst beliebt als Erholungs- und Wassersportgebiete. So werden die Umweltsauereien der DDR-Diktatur mit viel positivem Einsatz nach der Wende bis heute Stück für Stück behoben. An vielen Ufern sieht man von oben tolle Neubaugebiete für Einfamilienhäuser mit Seezugang.

Vorbei an dem einen oder anderen „kleineren“ Kraftwerke erscheint schließlich in brutaler schaurig-schöner Monumentalität eines der letzten großen Braunkohletagebaugebiete Deutschlands in Welzow-Süd mit dem bekannten riesigen Verstromungskraftwerk „Schwarze Pumpe“ am Horizont. Ein wahnsinns Anblick.

Die einzigartigen Riesenbagger graben sich in eine 70 Meter tiefe Rinne, um dort die Braunkohle zu heben.

Der Überflug über das unfassbar große Gebiet, das die Bagger hier über die Jahre „aufgefressen“ haben ist beeindruckend. Weil die Bagger nach dem Kohleabbau in vielen verschiedenen Arbeitsschritten den Abraum wieder „ausspucken“ ergeben sich tolle Formen, Farben, Muster über den Landstrich – da will man gar nicht mehr landen.

Tat ich aber doch und zwar am unmittelbar angrenzenden alten Sovietmilitärplatz Spremberg-Welzow EDCY. Schon der Anflug ist ein Erlebnis. 2000 Meter Bahn plus endlose Reserve reichen für ein UL!

Der Türmer sagte irgendwas von Ausbesserungsarbeiten auf der Bahn (die er mit Quetsche in der Hand selbst machte) was aufgrund der schieren Größe aber völlig unerheblich war.

Abrollen, abrollen, abrollen und weiter abrollen – und immer schön langsam, weil die Betonplatten der Russen mittlerweile wie Kraut und Rüber liegen. Dann endlich raus aus dem Flieger – jetzt waren es schon über 30 Grad Lufttemperatur.

Direkt im Abflug liegt übrigens einer der wenigen deutschen Wasserflugplätze, EDUY Welzwow-Sedlitzer See, der aber leider zu der Zeit ohne Flugbewegungen war.

EDCY ist ein Paradies für Ruheliebhaber wie mich –  völlig verlassen,  mitten in der Natur, kein Gewerbe, keine große Straße – nur Ruhe. Die genoss ich, dann nahm ich ein Fahrrad in das verschlafene Örtchen Welzow und sah mir am Besucherpunkt mit all seinen Informationstafeln den Tagebau von unten an und kam mit einem alten Mitarbeiter aus DDR-Zeiten ins Gespräch – dort hat man natürlich wenig Verständnis für das Aus der Kohle in Deutschland.

Schließlich sah ich mir noch das sympathisch schnörkellose, etwas marode Fliegermuseum am Platz an, das die Zeit der Nazis, die den Platz ursprünglich im Krieg erbauten sowie v.a. der Soviets mit ihren 5.000 ! hier kasernierten Soldaten zeigt. Das Leben war damals weder ruhig noch angenehm hier sondern für die einfachen Soldaten von Härte, Entbehrung und Monotonie geprägt. Für mich eine Mahnung nie wieder so einem menschenverachtenden Denken, wie im Kalten Krieg zu verfallen.

Nach einer unbequemen Nacht am Platz ging es am nächsten Morgen weiter Richtung Cottbus und Spreewald und ohne Landung zurück nach Weimar, denn nun wurde es noch heißer als am Vortag und  fliegen nach Mittag wäre nicht mehr erträglich gewesen. Den Nachmittag verbrachte ich gut gekühlt in Weimar, die folgende Nacht direkt am Platz (sehr nette, einfache und sehr günstige Unterkunft) mit Blick auf den „Fliescher“ und interessantem Austausch am Abend mit ein paar anderen Fliegern, die auch unter der Woche dort sind. Und weil für den kommenden Tag eine Gewitterfront mit heftigem Wetterumschwung aus Südwesten angesagt war, verabredete ich mit Sören einen noch früheren Start – was dort kein Problem ist! Die Sonnenaufgangsstimmung am Platz war phantastisch.

Bei Affenhitze schon am Vormittag gab es noch einen Tankstopp und Abkühlung am Platz in Mosbach, um dann gerade noch rechtzeitig vor den Gewittern schließlich wieder in Bremgarten zu landen.

Für mich war das der ideale Ausflug: wunderbare Eindrücke, neue fliegerische Erfahrungen und Fliegen satt – der nächste Trip ist schon geplant.

©2021 CFM Sportfliegerclub Emmendingen / Freiburg / Bremgarten

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